Melatonin und unser Lebenszyklus

Beim Menschen wird der Fötus bereits während der Schwangerschaft durch die Plazenta von der Mutter mit Melatonin versorgt. Die eigene Melatoninproduktion setzt erst einige Tage nach der Geburt ein und es dauert mitunter ein ganzes Jahr, bis sich der natürliche Versorgungszyklus durch die Zirbeldrüse reguliert. Dieser Umstand scheint zu erklären, warum Säuglinge oft unregelmässig schlafen.

Bis das Kind etwa sieben Jahre alt ist, steigt der Melatoninspiegel stetig an. Dabei veranlasst das Melatonin während der Schlafphasen die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) Wachstumshormone auszuschütten. Bei Kleinkindern findet der stärkste Wachstumsschub von der Geburt bis zu etwa drei Jahren statt.

Kommt das Kind in die Pubertät, sinkt - bedingt durch das körperliche Wachstum - das Blutvolumen. Dadurch kommt es zu einer "Verdünnung" der täglichen Melatoninausschüttung. Das Absinken des Melatoninspiegels führt zu einer erhöhten Ausschüttung zweier bestimmter Sexualhormone, LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel-stimulierendes Hormon), die die eigentliche Pubertät auslösen. Bei Knaben führt dies zur Samenproduktion, bei Mädchen zum Beginn des Menstruationszyklus.

Nach Abschluss der Pubertät beginnt die Melatoninproduktion langsam und stetig nachzulassen. Im Alter von etwa 45 Jahren findet ein abruptes Absinken des Melatoninspiegels statt. Bei Frauen beginnen die Wechseljahre. Männer bleiben weiterhin fruchtbar, ihre Sexualfunktion nimmt aber merklich ab. Die Zirbeldrüse verliert allmählich ihre Kontrolle über den Organismus, sie bringt nicht mehr genug Melatonin in Umlauf, der eigentliche Alterungsprozess wird eingeleitet.

Melatonin in den Wechseljahren der Frau
Millionen von Frauen unterziehen sich nach Einsetzen der Wechseljahre einer Hormonersatztherapie, um das Östrogen zu ersetzen, das durch das Ende des Menstruationszyklus verloren geht. Heute bestehen die meisten der in solchen Fällen verabreichten Präparate aus einer Kombination von Östrogen und Progesteron. Manche Frauen machen diese Behandlung nur für relativ kurze Zeit, um die unangenehmen Wechseljahrsymptome, wie Hitzewallungen und Schlafstörungen, zu lindern. Viele Frauen bekommen aber eine solche Therapie auch verschrieben, um möglichen Herzleiden oder Knochenschwund - der gefürchteten Osteoporose - vorzubeugen, den zwei häufigsten Problemen älterer Frauen.

Die Einnahme von Melatonin bei gleichzeitiger Hormonersatztherapie schafft nach Meinung der Wissenschafter keine Konflikte irgendwelcher Art. Alle genannten Hormone existieren im Körper einer jungen Frau vor der Menopause, gleichzeitig, ohne irgendwelche Beschwerden hervorzurufen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dies könnte sich im späteren Leben ändern.